13.10.2026
Aktualisiert: 18:00 Uhr
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Ist Bildung in Deutschland Nebensache? Warum wir PISA als Weckruf verstehen müssen

Ein Gastbeitrag von Milena Tries

Alle drei Jahre tauchen sie einmal kurz in den Schlagzeilen auf, bevor man sie auch – meistens gerne – schnell wieder vergisst: die PISA Ergebnisse. Dass Deutschland dabei nicht besonders gut abschneidet, ist schon lange keine Überraschung mehr, sondern eher ein Trend. Ein paar Tage lang wird dann darüber berichtet – Bildung: echt wichtig, ihr wisst schon, Investition in die Zukunft und so. Dann verschwindet die Auswertung der Studie auch schon wieder vom Radar der meisten Menschen. Und der Politik.

Warum ging es nach dem ersten PISA Schock von 2001 nicht besonders lange bergauf? Wie aussagekräftig ist die weltweit bekannte Studie wirklich? Und was bräuchte es jetzt, um das Bildungssystem in Deutschland nachhaltig zu verbessern? Diese Fragen müssen wir uns spätestens jetzt stellen. Denn eins ist sicher: Mit „die Jugend von heute ist einfach dümmer und nicht mehr leistungsbereit“ kommen wir weder der Ursache noch der Lösung des Problems näher.

Deutsche mittlere Punktzahl in der PISA Studie 2025 im Vergleich zum OECD-Durchschnitt:

  • Naturwissenschaften: 486 (OECD Ø 482)
  • Lesekompetenz: 465 (OECD Ø 461)
  • Mathematik: 464 (OECD Ø 463)
  • Computergestütztes Problemlösen: 498 (OECD Ø 500)
  • Platz 23
  • Besonders die Lesekompetenz nahm im Vergleich zur letzten Studie von 2022 stark ab: -15
  • 26 Punkte entsprechen in etwa einem Schuljahr Bildung

PISA Ergebnisse richtig lesen: Was misst PISA (nicht)?

In regelmäßigen Abständen misst PISA, das Programme for International Student Assessment (Programm zur internationalen Schülerbewertung) der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. In diesem Jahr wurde außerdem erstmals die Kompetenz „Lernen in der digitalen Welt“ ermittelt. Also wie gut man verschiedene digitale Tools nutzt, um Probleme zu lösen und Wissen aufzubauen. Wichtig ist dabei: Die Tests bestehen ausschließlich aus Anwendungsaufgaben. Es geht nicht darum, Faktenwissen wiederzugeben oder Teile des Lehrplans abzuspulen. Stattdessen müssen Jugendliche Wissen anwenden und Informationen verknüpfen. An der aktuellen Studie nahmen 91 Länder und Volkswirtschaften teil. Damit ist PISA die größte international vergleichende Studie in diesem Gebiet. Jedem Land wird dabei eine Punktzahl in den einzelnen Kompetenzen zugewiesen, wodurch ein Ranking zustande kommt. Regionen wie China, Singapur und Japan stehen dabei für gewöhnlich an der Spitze. In Europa ist Estland auf Platz 1.

Länder auf dem absteigenden Ast, wie auch Deutschland, schielen daher immer wieder zu diesen Ländern, um zu verstehen: Was wird dort anders gemacht? Besser? Was können wir davon auch bei uns einführen?

So gesehen ist PISA nicht nur aufgrund seiner quantitativen Größe von Bedeutung – um die Werte im eigenen Land zu messen, zu vergleichen und regelmäßig zu überprüfen – sondern kann auch zur Kooperation beitragen, zum „Best-Practice-Sharing“. Großbritannien übernahm ab 2014 beispielsweise mehr oder weniger eins zu eins den Mathematik-Lehrplan aus Singapur.

Gleichzeitig muss klar festgehalten werden: PISA ist kein Bildungsgott. Es misst Kompetenzen in größtenteils drei Bereichen. Bereiche, die zweifelsfrei wichtig sind, gerade für die ökonomische Entwicklung, der sich die OECD als durchführende Organisation widmet. Es sind zudem Fähigkeiten, die sich gut testen, quantifizieren und so vergleichen lassen. Bei anderen Kompetenzen ist das schon schwieriger, das macht diese jedoch nicht unwichtig. Dazu zählt beispielsweise Demokratieverständnis, künstlerische und kreative Fähigkeiten sowie zwischenmenschliche Skills. Allesamt Dinge, die der Lehrplan ebenfalls vorschreibt, die PISA aber nicht erfasst.

Die Tests dauern in etwa zwei Stunden und werden am Computer durchgeführt. Für die Schülerinnen und Schüler haben die eigenen Ergebnisse keine Konsequenzen. In einem System, das Leistung in der Regel in Noten misst und so belohnt oder bestraft, ist dieses Detail zwar nicht unbedingt ausschlaggebend, aber doch erwähnenswert.

Und natürlich stellt sich bei der Interpretation der Ergebnisse noch die Frage, mit welchen Ländern man sich wirklich vergleichen kann und möchte. Ein Bildungssystem, das Kinder und Jugendliche unter so starken Leistungsdruck stellt wie China? Schulen, die 15-Jährige teilweise kaum noch sehen, da diese in Kinderarbeit gedrängt werden, wie in Kenia? Nicht immer ist der direkte Vergleich sinnvoll.

Wie haben sich die PISA Werte verändert?

Um es mit den Worten der Hosts des Podcasts „Lage der Nation“, Ulf Buermeyer und Philip Banse, zu sagen: „Wir haben alles verspielt, was wir uns seit 2001 erarbeitet haben.“

Sieht man sich die aktuellen Ergebnisse zunächst isoliert an, könnte man meinen, so schlecht stehe es doch gar nicht. In allen Bereichen, abgesehen von computergestütztem Problemlösen, liegt Deutschland leicht über dem OECD-Durchschnitt. Weitet man jedoch den Blick, muss man feststellen, dass diese Werte die historisch niedrigsten Werte sind, die seit Beginn der PISA Studie für Deutschland gemessen wurden. Damit setzt sich nicht nur der Abwärtstrend der letzten 10 Jahre fort, rund jede und jeder Dritte verfehlt mittlerweile das Mindestniveau, das für diese Altersstufe vorgesehen ist. Im Alltag bedeutet das konkret: Schwierigkeiten, Texte zu lesen und korrekt zu interpretieren oder einfache Kopfrechnungen im Supermarkt durchzuführen.

Das letzte sehr schlechte Ergebnisse wurde damals 2001 verzeichnet – auch bekannt als „PISA-Schock“. Danach ging es erst einmal wieder leicht bergauf, vor allem dank neuer Investitionen in Bildung. Mitte der 10er Jahre dann die Trendumkehr bis zum neuen Tief in diesem Jahr. Tiefer noch als 2001. Wie konnte das passieren? Ein Hinweis liefert bereits die Tatsache, dass dieses Mal kaum jemand von einem „Schock“ spricht.

Bildung ist Geldsache – und Privatsache?

Die zentrale Message der diesjährigen Ergebnisse: Der Bildungserfolg hängt vom Einkommen ab. Das zeigt sich in zweierlei Hinsicht: Erstens, in Bezug auf das erwähnte Drittel, die das Mindestniveau verfehlen. In dieser Gruppe zeigt sich ein klares Muster: Es sind überwiegend Schülerinnen und Schüler aus ärmeren Haushalten. Der Abwärtstrend der letzten zehn Jahre trifft nicht auf alle gleichermaßen zu. Bei den sozioökonomisch begünstigten Jugendlichen bleiben die Ergebnisse überwiegend stabil. Die Unterstützung von Zuhause ist ein wichtiger Faktor. Und, dass nicht erst während Corona. Der IQB-Bildungstrend verzeichnete bereits 2016 einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. In den Jahren darauf nahm dieser nur noch weiter zu. In der Realität bedeutet ein solcher Hintergrund etwa kein Geld für Nachhilfe, weniger Kapazitäten und Möglichkeiten der Eltern, ihre Kinder selbst schulisch zu unterstützen, sowie eine gewisse Wahrnehmung von außen: Beginnen Kinder schlechtere Leistungen zu zeigen, werden diese auch schnell mal abgeschrieben, einsortiert in die Schublade der Verlorenen. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf entsteht, in dem mit weniger Leistung gerechnet wird und diese dann wiederum entsprechend erbracht wird.

Ein Migrationshintergrund spielt nur insoweit eine Rolle, als er ebenfalls die mögliche Unterstützung von Zuhause (beispielsweise aufgrund eingeschränkter Deutschkenntnisse) limitiert – und in manchen Fällen auch die Erwartungshaltung. Erhält ein Kind keine Empfehlung für das Gymnasium, weil die Leistungen dies tatsächlich rechtfertigen oder aber, weil aufgrund des persönlichen Hintergrunds vermutet wird, dass er oder sie es eh nicht schaffen wird? Die soziale Herkunft wirkt sich somit auf zwei Wegen auf Bildungschancen aus: direkt, etwa durch eingeschränkte finanzielle Mittel (primäre Herkunftseffekte), und indirekt, etwa über die Schullaufbahnempfehlung (sekundäre Herkunftseffekte).

Der zweite Geldfaktor kommt vom Staat. Kaum ein anderes Land verstärkt ungleiche Startchancen so sehr wie Deutschland. Und das, obwohl sich die Ausgaben des Bunds im Bereich Bildung nominal in den letzten 25 Jahren verdreifacht haben (Achtung: nominal bedeutet, Faktoren wie Inflation werden nicht berücksichtigt). Beispielsweise um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu sichern oder aber um die Digitalisierung voranzutreiben.

Das Startchancen-Programm soll genau dieses Problem adressieren, indem es Schulen in sozialen Brennpunkten mit insgesamt etwa 10 Milliarden Euro unterstützt. Laut Bundesbildungsministerium „das größte Bildungsprogramm aller Zeiten“. Diese Gelder helfen den zuständigen Ländern bzw. Kommunen im Bereich Investitionen. Bei den laufenden Betriebskosten aber nicht. Wenn Schulgebäude bröckeln, dann ist erst einmal die jeweilige Kommune gefragt. Aber denen fehlt es an Geld. 2024 verzeichneten sie mit rund 25 Milliarden Euro das größte Finanzierungsdefizit ihrer Geschichte. Schulleitungen kritisieren außerdem, dass die zusätzliche Hilfe vom Bund oftmals in Verwaltungsstrukturen, statt im Unterricht landet.

Insgesamt lässt sich daher festhalten: Es wird investiert. Aber es muss nachhaltiger und gezielter investiert werden.

Social Media & KI: Scrollen statt Lernen?

Und wenn es nun gar nicht nur an der finanziellen Lage liegt, sondern an den Jugendlichen selbst? Beziehungsweise daran, was sie zu Hause so machen: Hausaufgaben von ChatGPT erledigen lassen, um dann ein TikTok nach dem nächsten zu gucken? Die Kritik ist einseitig und überspitzt – aber auch nicht ganz falsch.

Studien zeigen, wenn digitale Geräte nur in begrenztem oder moderatem Umfang zum Lernen in der Schule genutzt werden, geht dies häufig mit besseren Ergebnissen einher. Wenn sie jedoch zum Zeitvertreib in der Schule genutzt werden, verkehrt sich dieser Zusammenhang ins Gegenteil und die Schülerleistungen fallen deutlich niedriger aus. Dass Social Media die Aufmerksamkeitsspanne und damit das konzentrierte Lesen verschlechtert, sieht die OECD als eine mögliche Erklärung für die sinkenden Werte. Stichhaltige Daten, die diesen Zusammenhang beweisen, gibt es jedoch bislang nicht.

In Bezug auf KI lautet die Antwort nicht ob, sondern wie. Jugendliche, die häufig KI-Chatbots für Schulaufgaben nutzen, erzielen im Schnitt auch etwas schlechtere Ergebnisse. Wobei die Kausalität hierbei unklar ist. Denkbar ist auch, dass Schüler*innen, die ohnehin bereits Schwierigkeiten haben, sich aus diesem Grund auch schneller an die KI wenden. Doch auch dann bedarf es noch einmal einer Differenzierung. Während Aufgaben vollkommen an den Chatbot abzugeben wenig förderlich ist, integrieren andere Länder KI sinnvoll im Unterricht. Direktor des Direktorats für Bildung bei der OECD, Andreas Schleicher, nennt in diesem Zusammenhang das Beispiel einer Schule in Shanghai. KI wird dort genutzt, um den Kindern dabei zu helfen, das Schreiben der Schriftzeichen zu erlernen. Ein integrierter Scanner in den Tischen gibt individuell und in Echtzeit Rückmeldung und ermöglicht so eine gezielte Lernunterstützung. Unterstützen statt abnehmen. Viel zitiert wurde dabei in den letzten Wochen auch Schleichers Aussage: „Wir werden nicht fit vom Sport anschauen, [… sondern] vom Sport machen.“

Und jetzt? Drei Dinge, die sich ändern müssen

Wie bereits erwähnt zeigt PISA eben nicht nur, was schlecht läuft, sondern auch, was funktioniert. Wir müssen es als Chance verstehen, das Bildungssystem zu verändern und damit zukunftsfähig zu machen.

1. Integration: Ein Schulsystem, das Kinder früh auffängt

Das neue Kita-Gesetz (Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG)) und auch das Startchancen-Programm, das von der früheren Ampel-Regierung auf den Weg gebracht wurde, verfolgen bereits diesen Ansatz. Es geht in erster Linie darum, die Basis für schulischen Erfolg zu legen und früh zu intervenieren, beispielsweise durch verbindliche Sprachtests und mehr Personal. So soll vor allem von unten gefördert werden.

Auch die Schulen sind dabei gefragt. Ein positives Beispiel liefert dabei die Bertha-von-Suttner-Schule aus Hessen, eine sogenannte Brennpunktschule, die trotzdem einen Großteil ihrer Schülerinnen und Schüler durchs Abitur bringt. Ein Teil des Erfolgsrezepts: IFI – Individuelle Förderung und Intervention. Man wolle kein Kind zurücklassen. Treten erste Probleme auf, versuche man gemeinsam etwas zu ändern und den Schüler oder die Schülerin als Mensch zu verstehen. Die Beziehungsarbeit zwischen Lehrer*in und Schüler*in ist dabei zentral.

Die Bertha-von-Suttner-Schule ist eine Gesamtschule. Auch diese Art von Integration muss gefördert werden. Denn Studien zeigen: Lange zusammen zu lernen fördert die Chancengleichheit. Selbst eine zwei Jahre länger dauernde Grundschulzeit wie in Berlin und Brandenburg verbessert die Aufstiegschancen bereits merklich, zeigt eine frühere Ifo-Studie. Und nein, das muss nicht auf Kosten der bereits privilegierten Kinder geschehen. Entscheidend ist die Differenzierung in den Schulen. Damit das gelingt, müssen die Kapazitäten vor Ort ausgebaut und langfristig gestärkt werden.

2. Kontinuierliche statt Ad-hoc-Reformen:

Anspruch auf Ganztag und Förderung bereits in der Kita gehen in die richtige Richtung. Aber nur, wenn nicht gleichzeitig die Mittel dafür gestrichen werden. Für den Haushalt 2027 sind für den Etat Familien und Bildung insgesamt 15,48 Milliarden Euro vorgesehen – das sind rund 1,4 Milliarden weniger als noch für dieses Jahr. Flächendeckend werden diese Reformen nur durchgesetzt werden, wenn man investiert. Zum vollständigen Bild gehört auch: 15,48 Milliarden Euro sind nicht wenig. Mit liegt Deutschland über dem OECD-Durchschnitt. Sie könnten jedoch effizienter verteilt werden, zeigt der neuste OECD-Bildungsbericht. Stattdessen wird zusammengestrichen: Für besagte Kitaförderung stehen nur noch rund 433,8 Millionen Euro bereit. Im Vorjahr waren es mit 940 Millionen Euro noch mehr als doppelt so viel. Auf ein Jahr starker Investitionen folgt im nächsten der Rückzug: So lassen sich die gewünschten Ergebnisse kaum erreichen.

Auch ein Blick auf die PISA-Gewinner – Singapur, Japan oder Estland – zeigt, dass Länder mit leistungsstarkem Bildungssystem nicht auf einzelne, große Reformen setzen, sondern kontinuierlich investieren, fördern, nachjustieren. Wer ein langfristig gutes Bildungssystem will, muss eben auch langfristig und nachhaltig investieren.

Um das auch in Deutschland zu schaffen, muss vor allem die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen verbessert werden. Denn der beste Unterricht ist nur halb so gut, wenn er in einem auseinanderfallenden Gebäude stattfindet. Verkürzt wird dieses Problem der mangelhaften Koordination oft unter dem Namen „Kooperationsverbot“. Gemeint ist die föderalistische Finanzierungsbeschränkung: Der Bund darf den Ländern grundsätzlich kein Geld für den Schulbau oder allgemeine schulische Bildungsmaßnahmen zur Verfügung stellen. Damit sollen die Kompetenzbereiche gewahrt werden. Gleichzeitig erschwert es aber bundesweite, nachhaltige Verbesserungen.

3. Weniger ist mehr

Neben den Rahmenbedingungen, muss auch der Unterricht selbst in den Fokus genommen werden. Ein weiterer Punkt, den leistungsstarke Bildungssysteme weltweit aufweisen: Es wird weniger Stoff vermittelt, dafür mit mehr Tiefe. Lehrkräfte hätten so genug Zeit, Konzepte für einen guten Unterricht zu entwickeln und sich auch wirklich um einzelne Schüler zu kümmern. Die PISA-Ergebnisse zeigen vor allem, dass es oftmals nicht am Faktenwissen, sondern an der Anwendung hapert. Und die muss man üben bis sie sitzt. Bayern kündigte daher an, die Wochenstunden in den Grundschulen erhöhen zu wollen. So sollen vor allem die Fächer Deutsch, Mathematik, Sport und Musik gestärkt werden. Davor braucht es aber erstmal rund 1300 zusätzliche Lehrkräfte, deren Stellen innerhalb der nächsten zwei Jahre geschaffen werden sollen. Von einer Reform des Lehrplans ist bislang nicht die Rede: Dieser bleibt wohl vorerst so voll wie er ist.

Doch nicht nur die Menge, sondern auch der konkrete Inhalt der Lehrpläne müsste geschärft werden. Das fordern Lehrkräfte wie die Lehrerin Emily Horbach. In einem Video auf ihrem YouTube-Kanal erklärt sie, wie wichtig es sei, Lernziele zu konkretisieren und klar festzuschreiben. Das erleichtere die Umsetzung und verschaffe den Lehrkräften mehr Klarheit. Man wisse genauer, welches Wissen man voraussetzen darf und könne gezielter darauf aufbauen.

Fazit

Die eine perfekte Lösung wird es am Ende des Tages nicht geben, dafür aber viele einzelne Stellschrauben, an denen man ansetzen kann. Die Forderung, das auch zu tun, ist alles andere als neu. Die konsequente Umsetzung wäre es.

Der wahrscheinlich wichtigste Rat lautet daher: Bildung ernst nehmen. Und zwar nicht nur, wenn die neusten PISA-Resultate eintrudeln, sondern immer.

Bundeskanzler Friedrich Merz forderte angesichts der neusten Messwerte „eine große Kraftanstrengung“. Diese muss jedoch länger als vier Jahre am Stück erfolgen; den eigenen politischen Zyklus überdauernd. Auch wenn die Ergebnisse nicht pünktlich bis zur nächsten Wahl kommen werden: Das heißt nicht, dass es sich nicht lohnt, darüber hinaus zu investieren. Nicht nur in eine bessere Bildung, sondern vor allem in eine gerechtere Bildung.

Milena Tries sieht aktuell fast täglich, wie junge Menschen für ihre Bildung auf die Straße gehen. Sie studiert Governance an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und derzeit an der Sciences Po, Grenoble. Als freie Journalistin schreibt sie für verschiedene Medien, zuletzt vor allem für die Badische Zeitung und das Debattenportal sagwas der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Quellen

  • OECD, PISA 2025 Ergebnisse (Band I – Auszugsweise Übersetzung): Bereit für die Zukunft?, 2026.
  • Deutschlandfunk, Grünen für Abschaffung von Kooperationsverbot von Bund und Ländern in Bildungspolitik, 11. September 2026.
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW zum Bundeshaushalt: „Wer die Bildung kaputtspart, legt die Axt an die Zukunftsfähigkeit des Landes“, 10. September 2026.
  • Taz, Chancengerechtigkeit in Deutschland: Wo Berlin mal Spitze ist, 14. Mai 2024.
  • Deutsches Schulportal der Robert-Bosch-Stiftung, Mehr Bildungsgerechtigkeit – was heißt das eigentlich?, 22. Oktober 2024.
  • Lage der Nation, LdN493: Angriff der Agenten: Kann KI wirklich die Menschheit auslöschen? (Ab: 1:38:48), 16. September 2026.
  • Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Startchancen-Programm.
  • Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Gesetz zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und zur Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung (Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz – SCQEG), 29. September 2026.
  • Taz, Bundeshaushalt für 2027: Der Schock spielt erst mal keine Rolle, 8. September 2026.
  • Deutsches Schulportal der Robert-Bosch-Stiftung, Internationaler Vergleich: PISA-Studie 2025: Die zehn wichtigsten Ergebnisse, 8. September 2026.
  • Tagesschau, PISA-Studie: Deutsche Schüler schneiden so schlecht ab wie nie zuvor, 8. September 2026.
  • Die ZEIT, Hat diese Brennpunktschule in Hessen die Lösung für die Bildungskrise?, 29. September 2026.
  • Die ZEIT, Der Traum von der Bildungsnation, 15. September 2026.
  • Statistisches Bundesamt, Bildungs-Finanzbericht 2025, Dezember 2025.
  • Bertelsmann-Stiftung, Kommunaler Finanzreport 2025: Knappe Kassen, große Aufgaben, Juli 2025.
  • Welt, Mehr Unterricht für Grundschüler – Bayern reagiert auf Pisa-Studie, 3. Oktober 2026.