28.09.2026
Aktualisiert: 13:49 Uhr
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Wirtschaft und Geld: Den Kreislauf verstehen. Die Realitäten unseres Geldsystems

Gastbeitrag

Günter Grzega ist Diplom-Bankbetriebswirt und Diplom-Verwaltungsbetriebswirt, Vorstandsvorsitzender a. D. der Sparda-Bank München eG und Botschafter der Gemeinwohl-Ökonomie. Seit 2019 lehrt er zum Thema „Aktuelle weltweite Geldsysteme und mögliche Reformen“ an der Akademie für Gemeinwohl in Wien. Der Text gibt die Position des Autors wieder.

Eine dauerhaft gelingende Volkswirtschaft ist ohne umfassende Kenntnis und Verständnis unserer modernen Geldsysteme kaum möglich. Denn nur dadurch können sowohl wirtschafts- und vor allem gesellschaftspolitische Entscheidungen zielführend getroffen werden.

Eine wichtige Tatsache ist dabei, dass reales Staatsgeld als Banknoten oder als Giralgeld, bankfachlich „Reserven“ genannt, nur durch die Zentralbanken geschöpft/erschaffen werden kann und nur der Staat und das Bankensystem Konten bei der Zentralbank führen darf.

Banken und Sparkassen können kein Staatsgeld/Zentralbankgeld schöpfen. Sie schöpfen Banken-Giralgeld, das, neben der Abwicklung von Schuldverhältnissen, lediglich ein Versprechen auf Staatsgeld, also auf Verlangen Umtausch des Bankengiralgelds in Bargeld, beinhaltet.

Sowohl das Zentralbankgeld/Staatsgeld als auch das Bankengiralgeld entsteht durch Bilanzbuchungen aus dem Nichts.

Deshalb wird dieses Geld aus dem Nichts, also ohne intrinsischen Wert, auch „Fiat-Geld“ genannt, abgeleitet vom lateinischen Wort „fiat“ = es sei, es werde, es entstehe.

Trivial ausgedrückt zeigt die Geldschöpfung durch Bilanz-Buchungen folgende Wahrheit:

  • Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen
  • Schulden des einen sind (Geld-)Vermögen des anderen
  • Die Außenhandelsüberschüsse von Staaten sind die Außenhandelsdefizite anderer Staaten

Die Geld-Schulden dieser Welt gehören also auf den Cent genau zum Geld-Vermögen dieser Welt!

Wer also behauptet, „die Welt ist überschuldet“, hat sich nicht umfassend ganzheitlich mit dem Geldsystem befasst!

Die Grundsatzfrage ist und bleibt die Verteilungsfrage, also wer macht Defizite (Geldschulden) und wer macht die Überschüsse (Geldvermögen)?

1. Geld verstehen: Welche Rolle spielt Geld in der Volkswirtschaft und warum fehlt das Thema Geld oft als Kapitel in Wirtschaftslehrbüchern?

In unseren hoch entwickelten Volkswirtschaften wäre Handel und Wachstum ohne moderne Geldsysteme nicht möglich.

Leider hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert eine Theorie zur Makroökonomik durchgesetzt, die als Neoklassik bezeichnet wird. Die dabei entwickelten Theorien waren im Vergleich zu den wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnissen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, z. B. von John Maynard Keynes, eine Zäsur. Man entfernte sich dabei auch ein Stück weit von der Realität und Empirie volkswirtschaftlicher Zusammenhänge, hin zu theoretischen Modellen und Annahmen mittels mathematischer Konstrukte. Dabei verfing sich die neoklassische Theorie in Gleichgewichtsmodellen mit einer „Neutralität des Geldes“1. Eine in Teilen realitätsferne Lehre.

Leider entwickelte sich die neoklassische Wirtschaftstheorie hin zu einer gesamtgesellschaftlichen Ideologie, dem sog. Neoliberalismus.

Dabei handelt es sich bei dieser Ideologie nicht um „Neo-Freiheit“, sondern in Teilen um „Neo-Feudalismus“.

Mit ausschlaggebend für einige Krisen der Weltwirtschaft, und zwar sowohl in der Realwirtschaft als auch im Finanzbereich, ist die Tatsache, dass in den neoklassischen Modellen der Sektor Staat als Konkurrent der privaten Sektoren „Haushalte“ und „Unternehmen“ um die „knappen Ersparnisse“ verortet wird. Dass sich daraus für das Finanzverhalten des Staates das geflügelte Wort vom Staat als „Schwäbische Hausfrau“ etabliert hat, ist geradezu eine Tragödie für die gelingende Zukunft der Volkswirtschaft und damit für die Menschen in den von dieser Ideologie betroffenen Staaten.

2. Das Bankengeldsystem: Was ist Giralgeld und warum ist es ein Versprechen auf Staatsgeld?

Wie eingangs erläutert, besteht unser Geldsystem aus zwei Geldkreisläufen, und zwar

  • a) Geldkreislauf durch Geldschöpfung mittels Bilanz-Buchhaltung der Zentralbanken aus dem Nichts (Zentralbankgeld – Staatsgeld)
  • b) Geldkreislauf durch Giralgeldschöpfung mittels Bilanz-Buchhaltung durch die Banken und Sparkassen aus dem Nichts (Banken-Giralgeld als Versprechen auf Staatsgeld und Instrument zur Regelung von Schuldverhältnissen)

Unser Geldsystem ist also zweistufig. Die Zentralbank schöpft die staatliche Währung und die Geschäftsbanken schöpfen ein Geld zweiter Ordnung, das Banken-Giralgeld.2

Dabei muss man sich bewusst sein, dass der Staat zwar hinter dem Bankengeld steht, aber Privatpersonen und Unternehmen kein Konto bei der Zentralbank eröffnen können. Wenn man unbedingt staatliches Geld will, bleibt nur das Bargeld, das man nur über das Bankensystem beziehen kann.

Wie entsteht Banken-Giralgeld?

Banken-Giralgeld (Buchgeld) entsteht in der Regel durch einen Bankkredit (Kredit = credere = lat. Vertrauen) aus dem Nichts, und zwar in Form einer Bilanzbuchung.

Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen Austausch von Zahlungsversprechen. Die Bank verspricht dem Kunden (Privat-Haushalt, Unternehmen) Einlagen auf einem Konto und die Akzeptanz derartiger Einlagen für die Rückzahlung des Kredits. Auf der anderen Seite verspricht der Kunde der Bank die Rückzahlung des Kredits durch die Überlassung von eben solchen Einlagen, üblicherweise gesichert durch Hypotheken oder andere Sicherheiten.3 Mit der Rückzahlung des Kredits wird das aus dem Nichts erschaffene Giralgeld wieder bilanztechnisch vernichtet.

Die Bank-Bilanzierung sieht bei der Kreditvergabe als Giralgeld-Schöpfung wie folgt aus:

Auf der Aktivseite der Bankbilanz (Vermögensseite) wird die Bank-Kreditsumme als Forderung der Bank (Vermögenswert) eingebucht und auf der Passivseite als Verbindlichkeit gegenüber dem Kreditkunden. Die Verbindlichkeit gegenüber dem Kunden ist das Versprechen, dieses Buchgeld auf dem Konto des Kunden auf Verlangen jederzeit in Staatsgeld, also Bargeld, auszuzahlen. Außerdem kann der Kunde, z. B. zur unbaren Bezahlung von Waren und Dienstleistungen, seine Bank anweisen, mit schuldbefreiender Wirkung Giralgeld von seinem Bankkonto auf ein anderes Bankkonto bei der gleichen Bank oder einem anderem Kreditinstitut zu überweisen. Hier dient das Giralgeld als Instrument der Regelung von Schuldverhältnissen.

Neben der Geldschöpfung durch Kreditvergabe gibt es noch die Geldschöpfung durch Käufe von Vermögenswerten durch die Banken und der Zentralbank.

Im Zusammenhang mit Bankenkrediten herrscht immer noch bei nicht wenigen Akteuren in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ein falsches Bild. Es wird nämlich davon ausgegangen, dass die Banken die Einlagen ihrer Kunden weiterverleihen. In der Realität entsteht das Bankengiralgeld für den Kredit aber aus dem Nichts mittels Bilanzbuchungen. Kundeneinlagen werden also nicht weiterverliehen. Die Information der Bundesbank aus 2017 zur Bankengiralgeld-Schöpfung weist explizit darauf hin:

„Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, verbucht sie die damit verbundene Gutschrift für den Kunden als dessen Sichteinlage und somit als eine Verbindlichkeit auf der Passivseite ihrer Bilanz. Dies widerlegt einen weitverbreiteten Irrtum, wonach die Bank im Augenblick der Kreditvergabe nur als Intermediär auftritt, also Kredite lediglich mit Mitteln vergeben kann, die sie zuvor als Einlagen von anderen Kunden erhalten hat.“

Deutsche Bundesbank, 2017, S. 19 ff

Zwischen den beiden Geldkreisläufen (Zentralbankgeld – Bankengeld) bestehen unabdingbare Zusammenhänge.

Die Banken benötigen für ihren Geschäftsbetrieb Zentralbank-Giralgeld, fachlich Reserven genannt, bei folgenden Transaktionen:

  • Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit anderen Banken. Die Überweisungen zwischen den Banken müssen durch entsprechende Buchungsvorgänge mit Reserven auf den Zentralbankkonten der beteiligten Banken ausgeglichen werden. Das Versprechen der einen Bank, das Giralgeld ihres Kunden in Staatsgeld (Bargeld) auszuzahlen, kann selbstverständlich nicht einfach durch eine Kunden-Banküberweisung einer anderen Bank übertragen werden. Deshalb muss die Überweisung immer auch mit Zentralbankgeld (Reserven) gedeckt werden.
  • Steuerzahlungen im Auftrag des Kunden. Ein abgebuchter Giralgeld-Betrag vom Kundenkonto zur Steuerzahlung muss in gleicher Höhe mit Reserven vom Zentralbankkonto der Bank auf das Zentralbankkonto des Finanzministeriums überwiesen werden.
  • Bargeldauszahlung. Für geliefertes Bargeld an eine Bank kürzt die Zentralbank entsprechend das Zentralbank-Reservekonto dieser Bank um den gleichen Betrag.
  • Einhaltung der Mindestreserve auf den Reserven-Konten der Banken bei der Zentralbank. Die Mindestreserve ist ein eher symbolisches „Überbleibsel“ aus der Zeit von „Deckungsideologien“, z. B. Gold. Sie besteht aktuell nicht mehr bei allen Zentralbanken (z. B. Kanada, Großbritannien, Schweden), jedoch aber derzeit noch in der Euro-Zone in Höhe von 1 Prozent der Einlagen und emittierten Schuldverschreibungen der Banken.
  • Bedienung von Interbanken- oder Zentralbankkrediten (= Handel der Banken untereinander mit ihren Reserven auf ihren Zentralbank-Konten)
  • Kauf von Staatsanleihen

3. Steuern und Staatsausgaben: Wofür zahlen wir Steuern und wie funktioniert das Zusammenspiel von Einnahmen und Ausgaben des Staates?

Grundsatzfeststellung zum Thema Steuern

Steuern sind grundsätzlich kein Instrument der Staatsausgaben-Finanzierung, sondern ein Steuerungsinstrument für eine Volkswirtschaft. Wir haben nur Regeln geschaffen, die diese „Steuerfinanzierung“ des Staates als Notwendigkeit erscheinen lassen.

Dabei gilt jedoch auch bei diesen in die Irre führenden Regeln, z. B. in Deutschland und der EU: Jeder Euro, den das Bundesfinanzministerium ausgibt, entstand ursprünglich durch die Computertastatur der Zentralbank (Staatsgeldschöpfung aus dem Nichts).

Was sind die tatsächlichen Hauptaufgaben von Steuern?

  • Währungsnachfrage sicherstellen = Staat mit Ressourcen versorgen
  • Konjunktursteuerung/Fiskalpolitik = Automatische Stabilisatoren hinsichtlich Ressourcenauslastung
  • Ungleichheit korrigieren = Schutz der Demokratie
  • Verhaltensweisen steuern = Ökologie, Gesundheit (z. B. Alkohol- und Tabaksteuer etc.)

Unsere Steuerzahlungen sind also nichts anderes, als der Zwang, die Staatswährung als einziges allgemein gültiges Zahlungsmittel zu akzeptieren, ohne das niemand sein Leben lebenswert gestalten kann.

Dies eröffnet dem Staat die Steuerung der Volkswirtschaft.

Die Geldschöpfung als intellektuelles Konstrukt findet einfach per Computertastatur statt. Dabei wird in der Zentralbankbilanz bei einer Direktfinanzierung der Staats-Ausgaben auf der Aktivseite eine Forderung (Kredit) gegenüber dem Staat und auf der Passivseite eine Verbindlichkeit gegenüber dem Staat gebucht.

Auf dem Zentralbank-Konto des Staates (Finanzministerium) wird bei dieser Regelung das von der Zentralbank bereitgestellte Geld auf der Aktivseite (Vermögensseite) als Forderung gegen die Zentralbank und auf der Passivseite als Verbindlichkeit (Schuld) gegenüber der Zentralbank eingebucht.

Damit wird deutlich, dass dem Staat grundsätzlich unbegrenzt aus dem Nichts erzeugbares Geld zur Verfügung gestellt werden kann.

Aktuell geschieht die Finanzierung der Staatsausgaben, z. B. in Deutschland und der EU, jedoch in der Regel nicht direkt durch die Zentralbank, sondern über den Umweg des Bankensystems mittels Staatsanleihen.

Jeder Staat oder jede Währungsunion (Euro-Staaten) schafft sich selbstverständlich Regeln, in welchem Umfang der Staat volkswirtschaftlich-gesellschaftliche Aufgaben finanzieren will und mit welchen Finanzierungsregeln die Staatsaufgaben gesteuert werden sollen. Man spricht hier von der Staatsquote einer Volkswirtschaft.

Grundsätzlich ist dabei, dass für die Ausgaben des Staates niemals zuerst Steuern eingenommen werden müssten. Fakt ist, dass man mit den Steuerzahlungen auch die Geldwertstabilität beeinflusst, denn Steuerzahlungen auf das Zentralbankkonto des Staates senken die Verbindlichkeiten („Schulden“) des Finanzministeriums gegenüber der Zentralbank und damit verschwindet eben das aus dem Nichts erschaffene Staatsgeld wieder.

Dadurch wird die im Umlauf befindliche Zentralbank-Geldmenge (nicht Banken-Giralgeldmenge) gesteuert. Dabei wird die Geldmenge durch Staatsausgaben im Idealfall so gesteuert, dass die vorhandenen Ressourcen (Waren, Dienstleistungen) eines Landes ohne Inflation von den privaten Sektoren der Volkswirtschaft (Haushalte, Unternehmen) und vom Staat nachgefragt und befriedigt werden können.

Und genau diese Frage der Stabilität einer Währung bestimmt das Zusammenspiel von Einnahmen und Ausgaben eines Staates. Voraussetzung für eine zielführende Steuerung der sinnhaften und das Gemeinwohl fördernde Steuern- und Ausgabenpolitik, ist also das Verstehen der Funktionsweise moderner Geldsysteme.

4. Staatsschulden entmystifiziert: Warum bedeutet staatliches Sparen auch, dass wir alle weniger sparen können?

Der Ausdruck „Staatsschulden“ ist gesellschaftlich irreführend!

  • Staats-Verschuldung sind immer Geld-Vermögen in gleicher Höhe der privaten Sektoren einer Volkswirtschaft (Haushalte und Unternehmen)
  • Steuern können erst bezahlt werden, wenn zuerst der Staat über die Banken Staatsgeld in die privaten Sektoren der Volkswirtschaft gegeben, also „Schulden gemacht“ hat
  • Wirtschaftswachstum und materieller Wohlstand ist grundsätzlich nur mit mehr Geld, also analog mehr Schulden, möglich

Ein Staatsdefizit durch Staatsausgaben führt also zwingend zu einem Überschuss/Netto-Finanzvermögen der privaten Sektoren der Volkswirtschaft im gleichen Umfang.

Ein Abbau von Staatschulden in realen Zahlen durch staatliches Sparen führt zwingend zu einem Abbau des Nettofinanzvermögens der privaten Sektoren der Volkswirtschaft im gleichen Umfang.

Steigende Staatsschulden in realen Zahlen machen uns finanziell reicher, Staatsschuldenabbau macht uns finanziell ärmer.

Banal für die privaten Sektoren der Volkswirtschaft ausgedrückt: Steigende Staatsschulden in realen Zahlen machen uns finanziell reicher – Staatsschuldenabbau macht uns finanziell ärmer.

Hinweis: Auf Grund der weltwirtschaftlich offenen Volkswirtschaften geht selbstverständlich auch ein Teil der Staatsausgaben auf Konten von Unternehmen im Ausland und umgekehrt selbstverständlich auch Ausgaben anderer Staaten, die in Deutschland einkaufen, auf Konten deutscher Unternehmen. Aktuell stiege also in Deutschland als Exportweltmeister die Netto-Finanzvermögen der Unternehmen und privaten Haushalte in ihrer Gesamtheit über die deutschen „Gesamt-Staats-Schulden“ hinaus.

Wenn diese Tatsache in der öffentlichen Diskussion verstanden werden würde und immer als unumstößliche Logik unseres Geldsystems im Hinterkopf vorhanden wäre, dann könnten wir schon längst viel entspannter und zielführender politische Diskussionen zu Wirtschaft, Geld und Schulden führen!

Staats-„Schulden“-Finanzierung

Eine Zentralbank ist nicht mit anderen Banken und Unternehmen vergleichbar. Eine Zentralbank ist keine Geschäftsbank und kein dem Insolvenzrecht unterliegendes Unternehmen.

Ein souveräner Staat bzw. Staatenbund mit eigener Währung kann niemals an „Verschuldung“ in seiner eigenen Währung Pleite gehen, da er die eigene Währung unbegrenzt über die Staatsinstitution Zentralbank erschaffen kann.

Eine Staatspleite ist deshalb nur in folgenden Zusammenhängen möglich, nämlich wenn der Staat bzw. die Währungsunion:

  • keine eigene Währung ausgibt, z. B. den Dollar zur Staatswährung erklärt
  • sich in Fremdwährung verschuldet (z. B. durch dauerhafte Importüberschüsse)
  • ein Versprechen abgibt, die eigene Währung in einem fixen Wechselkurs in eine andere Währung zu tauschen

Da die Logik des Geldsystems auch in der Politik nicht umfassend verstanden wird, kommt es eben auch zu irreführenden, wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch nachteiligen Entscheidungen, z. B. die sog. deutsche Schuldenbremse und die Fiskalregeln der Eurozone.

Und man muss immer daran denken, dass bei der Akzeptanz von Sparvermögen der privaten Haushalte und der Unternehmen folgende unumstößliche Tatsache gilt: Anders als private Schulden können Staatsschulden nicht umfänglich getilgt werden, weil die privaten Unternehmen und die privaten Haushalte in einer Volkswirtschaft sparen, also weniger ausgeben als sie einnehmen.

Sparquote

Die aktuelle Sparquote in Deutschland beträgt jährlich 250 Milliarden Euro der privaten Haushalte und 50 Milliarden Euro der Unternehmen. Lässt der Staat die Sparquote zu, dann muss er allein zur Duldung dieser Quote jährlich entsprechend neue „Schulden“ machen bzw. Export-Überschüsse generieren.

Über Schulden zu sprechen, ohne das Sparen zu berücksichtigen, ist sinnlos!4

Das System der Bilanzbuchhaltung der Ausgaben und Einnahmen des Staates in Euroland, beispielsweise in Deutschland:

In Deutschland, als Beispiel für die Euro-Länder, wird die Staatsausgabenfinanzierung statt über den direkten Weg, nämlich Anweisung des Finanzministeriums an die Zentralbank, das Konto des Staates mit Zentralbankgeld aufzufüllen, über den indirekten Weg gestaltet, nämlich über das Bankensystem.

Die Ausgaben- und Einnahmen-Bilanzierungsregeln nach den Regeln der Eurozone gestalten sich wie folgt:

  • Bei Bezahlung von Staatsaufgaben weist die Bundesregierung, Finanzministerium, die Bundesbank an, von ihrem Bundesbankkonto (Zentralbankkonto) die entsprechende Zahlung in Staatsgeld (Reserven) auf das Zentralbankkonto der Bank des Zahlungsempfängers zu überweisen. Diese Empfängerbank erhöht den gleichen Betrag in Banken-Giralgeld auf dem Bankkonto des Zahlungsempfängers.
  • Bilanziell gesehen hat die Bundesregierung, Finanzministerium, bei einem ursprünglichen Kontostand von Null nun ein um den Ausgabenbetrag „überzogenes“ Konto bei der Zentralbank.
  • Bei einem Defizit muss das Konto der Bundesregierung nach den Eurozone-Regeln durch Steuereinnahmen, einen Kassenverstärkungskredit der Zentralbank oder durch Verkauf von Staatsanleihen an das dafür zugelassene Bankenkonsortium ausgeglichen werden.

Dabei stellt sich die Frage zum letzten Punkt, warum die Eurozone-Regeln den Verkauf von Staatsanleihen über das Bankensystem vorschreiben, statt einfach die permanente Überziehung des Regierungskontos zuzulassen. Der Hauptgrund dafür ist, dass diese Staatsanleihe-Regeln erst eine zielführende Zinspolitik der Zentralbank ermöglichen.

Ergeben die EU-Fiskalregeln mit Schuldenobergrenzen für die Euro-Staaten einen Sinn?

  • Schuldengrenzen ergeben im Zusammenhang mit real- und geldwirtschaftlichen Gegebenheiten keinen Sinn.
  • Sie sind wissenschaftlich nicht begründbar.
  • Sie waren eine willkürliche politische Entscheidung gemäß der Durchschnittsverschuldung der Euroländer zum Zeitpunkt der Euroeinführung.
  • Sie verhindern notwendige staatliche Investitionen, namentlich in die organisatorische, wissenschaftliche, technologische und soziale Infrastruktur. Außerdem behindern sie ökologisch notwendige Anpassungen und Veränderungen. Damit beschneiden Sparhaushalte die Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Mitmenschen und der Gesellschaft. Stattdessen verschärfen sie Missstände und Konflikte.
Wer nicht investiert, verliert am Ende gar die Demokratie.

Das Verstehen unserer Geldsysteme ist eines der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelingende Zukunft von Demokratie und Gesellschaft.

Günter Grzega

Quellen

  1. Zum Begriff der „Neutralität des Geldes“ in der neoklassischen Theorie.
  2. Monika Stemmer: Staat Macht Geld. Banken schöpfen ein Geld zweiter Ordnung, S. 26 ff.
  3. Dirk Ehnts: Geld und Kredit: eine €-päische Perspektive. Die Entstehung von Giralgeld, S. 43 ff.
  4. Relevante Ökonomik, Sparen ist das Problem, Schulden sind die Lösung, 27. März 2025.
  5. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, S. 19 ff.

© Günter Grzega. Der Beitrag gibt die Auffassung des Autors wieder und nicht notwendigerweise die der Redaktion.

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