Ich habe Res.Publica in den vergangenen Monaten neben dem Studium aufgebaut. Die Plattform läuft auf einem Hetzner-Server für zehn Euro im Monat, Moritz schreibt mit, vor allem zu EU und Wirtschaft. Viel mehr steckt organisatorisch bisher nicht dahinter.
Das ändert sich jetzt ein Stück weit.
Res.Publica wird Teilprojekt von SOUNDS, einem neuen Forschungszentrum an der Universität des Saarlandes. SOUNDS steht für „Societal Observatory Using Novel Data Sources“ und wird im Rahmen des Transformationsprogramms Forschung und Wissenschaft Saar vom Ministerium der Finanzen und für Wissenschaft mit 29 Millionen Euro gefördert.
Die Idee hinter SOUNDS ist ziemlich nah an dem, was wir mit Res.Publica versuchen: gesellschaftliche und politische Entwicklungen anhand von Daten sichtbar zu machen, die zwar vorhanden sind, aber bisher kaum systematisch zusammengeführt und ausgewertet werden.
Bei SOUNDS geht es unter anderem um Satellitenbilder, Suchanfragen, Bewegungsdaten und Social Media. Mittelfristig soll daraus eine Art Frühwarnsystem entstehen, mit dem sich gesellschaftliche Veränderungen und Risiken für Demokratien früher erkennen lassen.
Bei Res.Publica arbeiten wir mit anderen Quellen: Gesetzestexten, Gerichtsurteilen, dem Lobbyregister und jeder namentlichen Abstimmung im Bundestag. Aktuell haben wir 6.786 Gesetze erfasst und gut 20.000 Verbindungen zwischen Gesetzen und den Organisationen, die versucht haben, auf sie Einfluss zu nehmen.
Das meiste davon ist öffentlich. Es liegt auf den Servern von Bundestag, Ministerien und anderen Behörden. Das Problem ist eher: Die Informationen liegen an unterschiedlichen Stellen, in unterschiedlichen Formaten und sind kaum miteinander verknüpft.
Genau dabei hilft mir SOUNDS.
Ich habe dort künftig eine Stelle und kann einen Teil meiner Arbeitszeit in Res.Publica stecken. Noch wichtiger finde ich aber, dass ich die Plattform nicht mehr komplett allein im stillen Kämmerlein entwickle. Bei SOUNDS arbeiten Leute, die seit Jahren Datenpipelines und Methoden zur Auswertung großer Datenmengen entwickeln, und Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler, die beurteilen können, ob aus den Daten tatsächlich die Schlüsse gezogen werden können, die wir daraus ziehen wollen.
Wissenschaftlich geleitet wird SOUNDS von Prof. Dr. Ingmar Weber und Prof. Dr. Daniela Braun. Weber ist Informatiker und Alexander-von-Humboldt-Professor für KI und forscht seit Jahren mit neuen digitalen Datenquellen. Braun ist Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Europäische Integration und forscht unter anderem zu politischem Vertrauen und Demokratie in Europa. Die Geschäftsführung hat Dr. Anke Köhler, die als Wissenschaftsmanagerin und Beraterin seit Jahren unter anderem Organisationsentwicklung und Digitalisierung an Hochschulen wie in Unternehmen begleitet.
Eine Sache ist mir bei der Zusammenarbeit besonders wichtig: Für euch ändert sich am Grundprinzip von Res.Publica nichts.
Es gibt weiterhin keine Paywall und kein Abo. Die Universität bezahlt keine Artikel, gibt keine Themen vor und liest Texte auch nicht vor Veröffentlichung gegen. Redaktionell bleibt Res.Publica unabhängig.
Was sich hoffentlich ändert: dass die Datenbasis besser wird, neue Datensätze dazukommen und wir bei unseren Analysen methodisch sauberer und schneller werden.
Am 2. September findet in Saarbrücken der öffentliche Kick-off von SOUNDS statt. Die Veranstaltung ist für alle offen, die Anmeldung findet ihr hier. Ich selbst werde ausgerechnet nicht dabei sein, weil ich dann schon für mein Auslandssemester in Grenoble bin.
Wer aus der Gegend kommt und sich dafür interessiert, wie man aus ziemlich verstreuten öffentlichen Daten etwas über Politik und Gesellschaft lernen kann: kommt gerne vorbei!
Links
- SOUNDS an der Universität des Saarlandes
- Kick-off „SOUNDS of Society“ am 2. September, Anmeldung
- SOUNDS-Team
- Transformationsprogramm Forschung und Wissenschaft Saar
- SOUNDS auf LinkedIn
Res.Publica ist eine unabhängige Datenplattform für Politik und Gesellschaft. Kein Paywall, keine Werbung. Wir führen öffentliche Daten zusammen, die sonst verstreut liegen: Gesetze, Urteile, Lobbyregister, Abstimmungen im Bundestag.
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